Klassiker in aufwendiger Aufmachung
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Pinocchio: Coppenraths Kinderklassiker (Gebundene Ausgabe) In dieser Rezension werfen wir einen längeren Blick auf die Reihe Coppenraths Kinderklassiker des Coppenrath Verlages. Was bei allen drei Neuerscheinungen als erstes auffällt, ist die aufwendige Umschlaggestaltung. Diese sind an beiden Rändern mit breiten, verzierten, samtartigen Einlagen versehen, die dem Buch sofort einen edlen Eindruck verleihen. Das es sich bei diesem Augenfänger um keinen Blender handelt, wird deutlich, wenn man die Bände aufklappt: alle drei Bände haben ein grafisch aufwendig gestaltetes Deckblatt. Bei Eulenspiegel ist dies ein Spiegel, auf der eine Eule sitzt; bei Dickens ein Weihnachtskranz und bei Pinocchio, dem aufwendigsten, liegt dieser schlafend auf dem Rücken während er von Schmetterlingen umtanzt wird und aus seiner Nase ein Baum wächst.

Unterschiedliche Erzähler und Grafiker
Jeder Band hat durch jeweils unterschiedliche Erzähler und Illustratoren seinen individuellen Charakter. Eulenspiegel (1510) spielt im Mittelalter und so dominieren recht strenge Bilder, abgetönte Farben, gerade Konturen. Die Stadtarchitektur wirkt authentisch, doch merkwürdig ausgestorben. So spielt Wie Eulenspiegel vom Rathausdach fliegen wollte in Magdeburg. Doch auf dem gemalten Stadtbild stehen nur ungefähr 2 Dutzend Bürger in einer Gruppe herum. Ansonsten ist kein Leben zu entdecken. Die einzelnen Erzählungen bilden jeweils ein Kapitel, welche sich mühelos als Eigenlektüre oder als Gute-Nacht-Geschichte eignen. Die Textgestaltung orientiert sich einem modernen Stil, so dass die kindlichen Leser nicht, neben evtl. ohnehin schwer lesbaren Wörtern, auch noch mit veralteten Vokabeln überfordert werden.

Der Illustrator von Pinocchio (1881) fängt das mediterrane Klima Italiens und seiner Bewohner ein. Er verwendet dazu als Grundlage Braun- und Rot-Töne, denen er gelegentlich als Kontrapunkt Grün- und Blau-Töne hinzufügt. Auch er dämpft seine Farben ab, so dass schreiendes Mittelmeerblau, gleißendes Weiß oder knalliges kirschrot nicht vorkommt. Der überbordenden Mentalität Italiens entspricht die Detailfreude seiner Bilder. Da fliegen schon einmal Trümmer aus dem aufgerissenen Schlund eines Riesenfisches, als sei dort unten eine Bombe explodiert oder Pinocchio lässt Brezeln an seiner Nase rotieren während er auf einem Ball balanciert; in der einen Hand vier Eistüten, in der anderen eine komplette Sahnetorte und am anderen Fuß, den er nach hinten gestreckt hat, baumelt ein Teddybär. Kapitel im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Doch sind die einzelnen Begebenheiten so aufgeteilt, dass es am Ende jeder Seite möglich ist, eine Pause bis zum nächsten Abend einzulegen. Kinder, die schon selber lesen möchten/können, sind in der Regel selber in der Lage, zu erkennen, wann eine Pause sinnvoll ist.

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte (1843) ist schlechthin der Klassiker unter den Weihnachtsgeschichten. Die Handlung spielt in England im viktorianischen Zeitalter, dem Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution. Der augenfälligste Unterschied zu den beiden vorangegangenen Büchern ist der, dass der Illustrator wesentlich größeres Augenmerk auf die Ausdruckskraft der Gesichter legt. Natürlich gibt es auch detaillierte Zeichnungen von Interieur, Kleidung etc. Allerdings übertrifft Ute Simon deutlich die Ausdruckskraft der Kreationen ihrer beiden Kollegen. Dazu kommt, dass es die erwachsendste der drei Geschichten ist und sogar Elemente klassischer Schauergeschichten enthält. Besonders die Illustration der Friedhofszene, als ihn der Geist der kommenden Weihnacht mit auf die Reise nimmt, stellt alle anderen Bilder weit in den Schatten. Doch keine Angst: die Bearbeitung durch Katrin Hoffmann ist auch als Gute-Nacht-Geschichte für jüngere Kinder geeignet. Da auch dieses Buch nicht in kurze Kapitel eingeteilt ist, muss der Vorleser entscheiden, bis zu welchem Zeitpunkt der kleine Zuhörer aufnahmefähig ist. Wie oben erwähnt sind sich Kinder, welche bereits allein lesen, ihrer Grenzen durchaus bewusst  und falls es im Einzelfall nicht so sein sollte, sind wir Eltern ja noch regulierend da.

Fazit: Eine aufwendig gestaltete, liebevoll ausgestattete Reihe, die Kindern Klassiker der Weltliteratur nahe bringt. Auf Grund der häufig detaillierten Bilder könnten kleinere Kinder davon überfordert sein. Somit eignen sich diese Bücher für die Altersgruppe Erstklässler mit all ihren unterschiedlichen Facetten. Letztendlich entscheiden ohnehin die Eltern, welche Bücher für ihr Kind geeignet erscheinen. Sollte der Terminus Literaturklassiker so manchen abschrecken, so sei nochmals darauf hingewiesen, dass sich alle Erzähler für eine moderne Überarbeitung entschieden haben. Diese behalten den Tenor der Geschichte in allen Facetten bei, verwenden jedoch keine veralteten oder komplizierten Wörter oder verschachtelten Satzbau.

(C) Wolfgang Haan - www.hoeren-undlesen.de
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 25. November 2006
Kundenrezensionen:
3. Klassiker in aufwendiger Aufmachung (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Vieles wird weggelassen, aber trotzdem toll
1. super
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